Der ehrwürdige Johann Baptist
Stöger
"ora et labora", "Bete und arbeite" sind die
wenigen Worte, auf die Johann Baptist Stögers Leben sich aufbauen
läßt. Die Arbeit wurde ihm zum Gottesdienst, die Liebe für die Arbeit
zur Gottesliebe. Johann stammte aus Enzersfelde bei Wien von echt
katholischen Eltern, die ihm eine unersetzliche Stütze gaben. Einen
überaus reichen Jugendschatz hat die strenge, natürliche Geradheit
seiner Erziehung ihm geschenkt. Gern hätte der begabte Knabe sich der
höheren Schulbildung und dem Studium der Theologie gewidmet, aber sein
Vater stellte ihm in der Einfachheit seiner Anschauung die sittlichen
Gefahren durch andersgesinnte Kameraden so vor Augen, daß er, wenn auch
innerlich nur schwer verzichtend, still von seinem Wunsche abließ.
Emsig schaffte er weiter auf dem Hofe seiner Eltern; willig und gehorsam
verrichtete er die schwersten ländlichen Arbeiten; Seine Freizeit aber
verbrachte er, sofern er nicht anderen in ihren Geschäften helfen
konnte, in eifrigem Gebet.
So änderte sich seine Lebensweise kaum, als er mit 25 Jahren in das
Redemptoristenkloster in Wien eintrat, von wo aus er nach kurzer Zeit
als Gärtner in die Ordensniederlassung zu Eggenburg gesandt wurde. 44
Jahre lang, bis zu seinem Tode, ist Stöger auf diesem Posten geblieben,
und dennoch ist der Ruf seiner heiligmäßigen Tugenden weit aus
den einsamen Klostermauern ins Land gedrungen. Manche rührenden
Geschichten werden uns von seinen Mitbrüdern überliefert, die alle
seine dauernden Abtötungen, seine ständige Sammlung im Dienste des
Herrn erkennen lassen. Seine engelgleiche Demut und Reinheit hat ihn zum
leuchtenden Vorbild seiner Ordenskameraden gemacht. In unwandelbarer
Ruhe und Freundlichkeit, fern allem Lärmen und Klagen, hat Frater
Stöger seinen Dienst versehen, bis ihn ein schweres Leiden mitten aus
seiner geliebten Arbeit aufs Krankenlager warf. Er starb am 3. November
1883 im Alter von 73 Jahren an einem furchtbaren Ausschlag, der seinen
ganzen Körper mit Geschwüren bedeckte, zu Eggenburg. Seine Gebeine
wurden 19000 in die dortige Redemptoristenkapelle übergeführt.
Stögers Leben ist wahrhaft eine lebendige Predigt des schlichten
"Bete und arbeite" gewesen.