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Inhalt

I. Im Elternhaus

Der Vater

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Die Mutter

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Der Onkel

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In der Volksschule

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Jugendzeit

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Der Freund der Kinder

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Ein beliebter Kamerad

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Geachtet von den Landsleuten

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Der Ordensberuf kündigt sich an

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Eintritt in den Orden

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II. Im Orden

Die Zeit, in der er lebte

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Die ersten Erfahrungen im Orden

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Im Noviziat

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Die Ordensprofeß

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III. Die Persönlichkeit

Gottesliebe

 

Der Beter

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Bei der Arbeit

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Vertrauen zu Maria

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Nächstenliebe

 

Liebe zu den Mitbrüdern

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Die Kranken

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Freunde

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Barmherzige Liebe

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Selig, die arm sind vor Gott

 

Weg der Demut

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Weg der Armut

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IV. Leiden und Tod

Reif durch Leiden

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Versuchung und Angst

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Es ist vollbracht

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Sein Grab wird herrlich sein

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Bruder Baptist – unser Freund und Fürbitter

 

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BRUDER BAPTIST STÖGER

Seit einigen Jahren ereignet sich in der Kirche ein Neuaufbruch im religiösen Leben, erfreulicherweise auch bei der Jugend. Menschen beginnen, bewußter an Gott zu glauben. Es bricht ein neues Beten auf: Beten als Lobpreis und Anbetung, als Lebensübergabe an Gott. Die hl. Schrift wird Ausgangspunkt für das Gebet. Man entdeckt die Vorbilder der Nachfolge Christi neu, etwa den Weg eines hl. Franz von Assisi oder einer hl. Theresia von Avila. So wächst auch ein neues Verständnis für den Ordensberuf. Wir wollen im folgenden den Weg eines einfachen Ordensbruders aus dem Orden der Redemptoristen nachgehen, der in vorbildlicher Weise Christusnachfolge verwirklichte, Bruder Baptist Stöger. Er stand nicht im Lichte der Öffentlichkeit, er war ein einfacher Arbeiter, nämlich Gärtner im Redemptoristenkloster Eggenburg in Niederösterreich. Da er nicht Priester war, sondern «nur» Ordensbruder, ist sein Leben nicht ohne weiteres jedem verständlich. Für ein solches Leben braucht es eine große Liebe. Das Leben des Ordensbruders ist getragen von den Gelübden, in welchen er sich ganz Christus übereignet. Er kann sich, irdisch gesehen, keinen Gewinn ausrechnen: weder Lohn für seine Arbeit, noch Ansehen bei den Menschen wegen großer Leistungen. Es ist ein bescheidenes Leben, ausgefüllt von vielen Diensten für andere. Auf diesem Weg wird Johann Baptist Stöger ein vorbildlicher Christ, von dem die anderen sagen: «Dieser Mensch ist ein Heiliger!» Wir möchten sein Andenken leben- 

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dig erhalten, weil wir glauben, daß auch wir heute einiges von ihm lernen können. So möge dieses Büchlein Anregung und Hilfe sein für alle, die auf der Suche sind nach Gott, und Ermutigung für jene, denen nicht irgendein Gewinn genügt, sondern die sich auf- machen möchten, den einen «Schatz im Acker» und die eine «kostbare Perle» zu finden (vgl. Mt. 13, 44 – 46).

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I. IM ELTERNHAUS

Der Lebensstil und die Atmosphäre des Elternhauses sind erfahrungsgemäß von entscheidender Bedeutung für das Leben eines Menschen. Erlebnisse der Kindheit prägen sich besonders tief in den Grund der Seele ein und können Hilfe oder Hindernis für die spätere Entfaltung der Persönlichkeit werden. Wenn wir daher den Menschen Johann Stöger, unseren Bruder Baptist, näher kennenlernen wollen, müssen wir zuerst nach seiner Herkunft und seinem Elternhaus fragen. Johann Stöger wird am 4. Oktober 1810 in Enzersfeld bei Wien, einem Ort im Weinviertel, geboren. Seine Eltern sind Josef Stöger und Elisabeth, geb. Heindl. Sie bewohnen das Haus Nr. 33, zu dem eine ansehnliche Landwirtschaft, ein sogenanntes Halblehen mit Weingarten, dazugehört. Das Leben im Hause Stöger ist von Grund auf religiös geprägt. Sie beten gemeinsam in der Familie, gehen viermal im Jahr gemeinsam zur Beichte, halten das Fasten an Freitagen und in der Fastenzeit gewissenhaft ein und feiern mit Freude die großen Feste des Jahres in der Kirche und daheim in der Familie. Der Samstag ist ihnen ein besonderer Tag. Da brennt immer ein Licht vor dem Bild der Gottesmutter. An Sonntagen gehen sie nicht nur gemeinsam zum Gottesdienst, sie versammeln sich auch daheim um den Familientisch zu einer Hausandacht. Der Vater liest aus einer Hauspostille die Erklärung zum Sonntagsevangelium, Johann darf den Vorbeter machen.

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Der Vater

Die bestimmende Gestalt in der Familie Stöger ist der Vater. Er wird uns geschildert als fleißiger, pflichtbewußter Mann von strenger Lebensauffassung. Er ist streng zu sich selbst und fordert nichts von den Seinen, was er nicht selber zuerst erfüllt. Obwohl sie einen Weingarten besitzen, trinkt er täglich nur sein genau bemessenes Quantum, an Freitagen enthält er sich ganz vom Wein. Grundsätze hält er lückenlos durch. Selbst als einmal der Christtag auf einen Freitag fällt, kann ihn sein Sohn nicht dazu überreden, ein Glas Wein zu trinken. Ebenso grundsatztreu ist er in seinen Fastengewohnheiten. Mag die Arbeit noch so schwer sein, an kirchlichen Fasttagen nimmt er weder Frühstück noch Jause. Äußerliche Frömmigkeitsübungen und Strengheiten sagen nicht alles über den Wert eines Menschen vor Gott. Ent- scheidend ist das Herz und die Liebe. Josef Stöger ist auch ein liebender Vater. Er freut sich über seine Kinder, die Gott begabt hat mit einem wachen Verstand und einem für das Gute offenen Gemüt. Auf Gott hin ist sein Herz gerichtet, mit Dank und Stolz erfüllt, wenn er sie vor sich sieht und aus ihren Augen die Unschuld leuchtet, klar und ungetrübt. «Kinder, wenn ihr jetzt sterben tät’, ich ließe euch mit ganzer Musik begraben!» – ruft er einmal in heller Freude aus. Er will seine Kinder auf das Wesentliche hinführen und ist äußerlichem Getue abgeneigt. Einmal möchten sie so gern an der Fronleichnamsprozession zu St. Stephan teilnehmen, wo der Kaiser und der ganze Hofstaat mitgeht. Der Vater aber lehnt ab mit den Worten: «Da wird nur geschaut und nichts gebetet. Ihr könnt am Sonntag zur Prozession in die Rossau hineingehen!»

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Die Mutter

Friedrich Schiller schreibt im Lied von der Glocke: «Wo das Strenge mit dem Zarten, Wo Starkes sich und Mildes paarten, Da gibt es einen guten Klang.» – Auf die Stöger’schen trifft dieses Wort im besten Sinne zu.

Elisabeth Stöger ist eine treue Gattin und Mutter. Sie leistet an der Seite ihres tatkräftigen Gatten täglich ihren Anteil an Arbeit in der Landwirtschaft und bringt noch genügend Zeit und Kraft für ihre Kinder auf. Als Mutter erfährt sie auch viel Leid. Die ersten beiden Kinder, denen sie das Leben schenkt, sterben bald nach der Geburt. Dann kommt Johann zur Welt. Mit welcher Sorgfalt umhegt sie ihn, damit ihm ja nichts zustößt! Gott segnet ihre fürsorgliche Liebe. Auf Johann folgen noch fünf weitere Kinder, zwei von ihnen sterben im Kleinkindalter. Rosina, Theresia und Anna Maria wachsen mit Johann auf. Die beiden letzteren wählen später den Ordensberuf und werden Redemptoristinnen, Rosina heiratet einen gewissen Salomon und übernimmt das väterliche Erbe, nachdem Johann ins Kloster geht. Von ihr stammt unser Wissen über das Elternhaus und über Johann vor seinem Eintritt in das Kloster. Rosina berichtet wenig über die Mutter. Doch das wissen wir, daß die Mutter es ist, die später zum Ortspfarrer geht, um ihrem Sohn den Eintritt in den Redemptoristenorden zu ermöglichen.

Der Onkel

Neben dem Vater übt noch ein Mann auf die innere Entwicklung Johanns einen entscheidenden Einfluß aus: sein

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Onkel Michael. Er ist der Bruder des Vaters und besitzt ein Gut in Hagenbrunn. Seine Ehe ist kinderlos, und so schenkt er seine ganze Zuneigung dem Neffen Johann, den er seinen kleinen «Goldkäfer» nennt. Onkel Michael ist ein belesener und frommer Mann. Seine Frömmigkeit drückt sich vor allem darin aus, daß er oft wallfahrten geht, zu den kleinen Wallfahrtsorten der Umgebung und nach Wien hinein. Gern nimmt er auch den kleinen Johann mit. Auf diese Weise lernt der Bub schon früh alle Kirchen Wiens kennen, nicht nach ihrer künstlerischen Bedeutung, sondern als Stätten des Gebetes. Was mag in dem Buben vor sich gehen, wenn er so mit seinem Onkel auf Pilger- fahrt geht? Sicher ist, daß in ihm der Wunsch heranreift, Priester zu werden. Sein Onkel weiß sehr viel zu erzählen. Er kennt sich aus in der Kirchengeschichte, im Leben der Heiligen und im religiösen Schrifttum seiner Zeit. Wir wissen, daß er die Schriften des heiligen Alfons von Liguori besonders schätzt. Er weiß auch um den Einfluß des heiligen Klemens Maria Hofbauer auf das Glaubensleben von Wien. Sicher kommen die beiden in die Kirche Maria am Gestade, wo die Schüler des heiligen Klemens wirken. Wer konnte damals wissen, daß Johann hier einmal ins Kloster eintreten würde?

In der Volksschule

Johann erlebt eine unbeschwerte Kindheit. Er findet bei seinen Eltern Geborgenheit und jenes Maß an Zuwendung, das jedes Kind braucht, damit sich seine guten Anlagen recht entfalten können. Er geht gern zur Schule und seine Leistungen sind über-

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durchschnittlich. Des öfteren wird er vom Lehrer ausgezeichnet. Einmal, als ihn dieser am Tag nach der Prüfung zu sich rufen läßt, erschrickt der Vater: «Hast du vielleicht etwas angestellt?» Doch die Angst war unbegründet. Der Bub kommt mit einem schönen Buch nach Hause, das ihm der Lehrer überreicht hat mit den Worten: «Das geb’ ich dir als Prämie, weil du es so brav gemacht hast. Bleib so brav und fleißig wie bisher!» Die Eltern legen großen Wert auf den Religionsunterricht. Fleißbildchen, die der Bub für braves Aufsagen des Katechismus wiederholt nach Hause bringt, werden in der Familie aufbewahrt bis in die nächste Generation. Johann ist auch fleißiger Ministrant. Er steht immer schon früh auf, um recht «zeitig» in der Sakristei zu sein. Denn wer als erster da ist, darf auch ministrieren. «Die anderen Buben nahmen ihm das gar nicht übel», sagt uns seine Schwester, «denn sie haben ihn alle gar so viel gern gehabt.» Onkel Michael bemüht sich, das Talent seines geliebten Neffen zu fördern. Er schenkt ihm manches schöne Buch, denn der Bub liest sehr gern. Wenn sie beide nach Wien hin- einkommen, durchstöbern sie des öfteren die Antiquariatsbuchhandlungen, um wertvolle Lektüre zu erwerben. Johann legt sein ganzes Ministrantengeld in Büchern an, später auch, was er sich dazuverdient. Im Laufe der Zeit sammelt sich eine kleine «Fachbibliothek» an: Weltgeschichte und Ge- schichte Österreichs, Stolbergs Kirchengeschichte mit ihrer langen Reihe von Bänden, Bücher über den Glauben und das geistliche Leben. Die Schriften des heiligen Alfons schätzt auch Johann sehr. Als er eines Tages auf dem Trödlermarkt ein Bild dieses Heiligen findet, kauft er es und hängt es zu

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Hause auf. Oft zündet er davor ein Lichtlein an und betet gern zu diesem Heiligen.

Jugendzeit

Johanns Begabung und geistige Aufgeschlossenheit hätten ihn ohne weiteres für ein Studium befähigt. Wir wissen nicht, ob er einmal von irgend jemand daraufhin angesprochen wurde. Vielleicht doch von seinem Heimatpfarrer? Jedenfalls spricht er selbst nach dem Schulaustritt seinem Vater gegenüber den Wunsch aus, Priester zu werden. Der Vater ist überrascht und antwortet kurz und bündig: «Das kostet zu viel Geld. Es sind zu viele Kinder, wie sollen wir das leisten? Und am Ende würdest du vielleicht doch nur ein ’Schreiber’ werden!» – was für den Vater so viel bedeutet wie ein gottloser Mensch. Johann muß sich fügen. Innerlich aber gibt er nicht auf und trägt seine eigenen Gedanken still bei sich. Mit 15 Jahren muß er die Pferde übernehmen. Nach Gepflogenheit seiner Zeit dient ihm nun der Pferdestall auch als Schlafstätte. Er widmet sich ganz der Arbeit zu Hause und bewahrt sich dabei sein sonniges Gemüt. Immer ist er gut gelaunt, freundlich zu jedermann und hat richtig Freude an seinen Pferden. Der Vater ist stolz auf seinen Sohn und sieht selbstverständlich in ihm den zukünftigen Erben seines Hofes. Er kauft ihm zwei schöne «Bräunl», die fortan zum Stöger Johann dazugehören und mit denen er Aufsehen macht, wenn er durch’s Dorf fährt. Johann bleibt bei all dem seiner Liebe zu den Büchern treu. Aus einem Buch lesend sitzt er auf seinem Wagen, wenn er nach Wien hineinfährt; mit einem Buch in der Hand

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erscheint er zum Essen, den Büchern widmet er die Zeit, die andere der Erholung schenken. Wenn die Mutter Brot backt, läßt er sich wecken, um bei ihrem Licht zu lesen. Und seine Schwestern klopft er oft an Sonntagen schon früh aus dem Bett, weil in ihrem Zimmer sein Bücherkasten steht: «Schwestern, steht’s auf, daß i zu meinen Büchern kann!» Jugendlicher Ungestüm und eine direkte Art, das ihm Wertvolle durchzusetzen, reißen ihn so mit sich fort, daß er keine Rücksicht auf seine Geschwister nimmt. Er hat noch einen weiten Weg vor sich bis zu jenem zarten Verständnis für andere, das ihn als Ordensmann auszeichnen wird. Die Jugendzeit ist für gewöhnlich eine Zeit des Suchens und Werdens, eine Zeit der Krise mit sich selbst, der kritischen Auseinandersetzung mit der elterlichen Autorität und auch mit der Religion. Johann hat anscheinend sehr bald zu sich selbst gefunden. Die religiöse Krise erschüttert kaum sein Inneres, er findet sehr früh zu einer klaren persönlichen Gottesbeziehung. Aus dieser Quelle lebt er. Das gibt ihm Kraft und innere Sicherheit und läßt ihn immer deutlicher seinen Weg erkennen. Er führt ein sehr intensives religiöses Leben. Das Gebet wird Ausdruck seiner inneren Gottverbundenheit. Es drängt ihn förmlich zum Gebet, ein Wesenszug, der dann im Ordensleben besonders deutlich hervortritt.

Ein Freund der Kinder

Der Stöger Johann besitzt eine eigenartige Ausstrahlung. Er liebt die Kinder und die Kinder lieben ihn. Wenn er mit seinen Pferden daherfährt, rufen sie begeistert: «Der Stöger Johann kommt!» Dann setzt er seine kleinen Freunde gern

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auf’s Handpferd und hat mit ihnen seinen Spaß. Der kleine Eigner Johann wollte auch schon reiten, obwohl er noch nicht beten konnte. Da gab’s aber diese Ausnahme nicht! Johann nimmt ihn nicht eher auf sein Pferd, als bis er das Vaterunser ordentlich beten kann. Jedes Jahr wird er angegangen, «Firmgöd» zu machen. Alle Knaben von Enzersfeld hätten ihn gern als Firmpaten gehabt. «Einmal hätte er sogar sieben oder acht Firmlinge auf einmal gekriegt», erzählt Rosina. Da es Johanns Freude ist, Kindern Freude zu machen, entspricht er auch nach Möglichkeit diesen Bitten. Bietet sich ihm doch dadurch die erwünschte Gelegenheit, arme Kinder ausgiebig zu beschenken, wie es dem Edelmut und Wohlstand seines Vaters ent- spricht. Seine Firmlinge wissen aber, daß es ihm zuerst um die religiöse Seite der Firmung geht. Allein schon sein Beispiel ist geeignet, sie auf das Wesentliche des Firmsakramentes hinzulenken.

Ein beliebter Kamerad

Zu den Burschen seines Alters hat Johann guten Kontakt. Er wird von ihnen geachtet und anerkannt. Wenn er auf Wallfahrt geht, finden sich immer auch einige andere Burschen ein, um mit ihm zu gehen. Da brechen sie um Mitternacht auf und gehen, unterwegs den Rosenkranz betend, nach Maria Lanzendorf, Maria Enzersdorf oder auch nach Wien hinein und ziehen dort den halben Tag von einer Kirche zur andern. Ein Stück Brot von zu Hause oder ein Paar Semmeln, die sie sich kaufen, sind ihre ganze Verpflegung. In ein Gasthaus kehren sie niemals ein. Johann geht grundsätzlich nicht ins Gasthaus, auch zu Hause nicht.

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Dazu noch eine amüsante Episode: Eines Tages, als Johann gerade im Hof arbeitet, kommt eine Zigeunerin, eine Wahrsagerin, daher. Sie wolle ihm die Zukunft prophezeien, sagt sie zu ihm. «Schau nur, daß du weiterkommst, ich brauche keine Wahrsagerei!» gibt er ihr forsch zurück. Darauf beginnt sie zu schmähen: «Reuen dich die paar Groschen, die es kosten würde, daß du sie nicht ins Wirtshaus tragen könnt’st?» «Jetzt hast du bewiesen, daß du das Wahrsagen kannst; ich geh’ nämlich gar nie ins Wirtshaus», beschließt er die zudringliche Auseinandersetzung. Daraufhin zieht die Zigeunerin kleinlaut ab.

Geachtet von den Landsleuten

Johann teilt mit seinen Landsleuten den Rhythmus des bäuerlichen Arbeitsjahres. Woche für Woche fährt er wie sie nach Wien hinein, mit Gemüse auf den Naschmarkt oder mit der Milchlieferung. Er zeigt sich geschickt zu jeder Arbeit, ein tatenfroher, sympathischer junger Mann, der von allen geachtet und geschätzt wird. Manches Mädchen begegnet ihm sehr gern, denn sicher wäre er als Bräutigam keine schlechte Partie. Doch gerade was Mädchen betrifft, weiß man bei ihm nicht, wie man dran ist; auch seine Eltern und seine Schwestern sind sich in diesem Punkt nicht klar. Er verhält sich den Mädchen gegenüber eher distanziert, für «dummes Geschwätz» hat er nichts übrig.

Der Ordensberuf kündigt sich an

Es fällt auf, daß der Stöger Johann in religiösen Dingen einen eigenen Weg geht. Er fährt monatlich nach Wien hinein,

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um zur Beichte und zur Kommunion zu gehen. Nach dem Tod des «guten Pater Maximus» bei den Serviten in der Rossau findet er in Pater Madlener in Maria am Gestade seinen Beichtvater. Damit beginnt seine Beziehung zu den Redemptoristen, die sicher auch dazu beiträgt, daß er später in Maria am Gestade als Kandidat aufgenommen wird. Es ist etwas Ungewöhnliches, daß dieser junge Mann hinneigt zu einer gewissen Leidens- und Kreuzesmystik. Sind es die Schriften des heiligen Alfons, die ihn dahingehend beeinflussen, oder trägt er verborgen in seinem Inneren ein tiefes Leid? Wenn er auf’s Feld hinausfährt oder am Hof seine Arbeit tut, singt er leise vor sich hin: «Laß mich deine Leiden singen... » Als Ordensbruder wird er sich einmal bewähren als ein großer Dulder und Kreuzträger. Ist dies schon jetzt geheimnisvoll der Weg Gottes mit ihm? Er verehrt innig den Gekreuzigten und die Gottesmutter. Jeden Freitag zündet er beim Kreuz ein Lichtlein an und am Samstag genügt ihm nicht das Licht, das in der Stube beim Bild Mariens brennt, er muß sein eigenes haben. Am Samstagabend wird in der Kirche von Enzersfeld immer der Rosenkranz gebetet. Zu den Jahreszeiten, wo die Feldarbeit be- sonders drängt, sind es nur einzelne Leute, die zu dieser Andacht kommen. Johann steht an solchen Samstagen eigens früher auf, damit er abends rechtzeitig von der Arbeit los- kommt, um zum Rosenkranz zu gehen. Und wenn er allein im Stall schläft, widmet er vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen längere Zeit dem Gebet. Man entdeckt auch, da8 er vor hohen Festen und Marienfeiertagen nicht im Bett, sondern auf der Futtertruhe schläft.

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Eintritt in den Orden

Als Johann das 24. Lebensjahr erreicht hat, ist es an der Zeit, den Vater, «der bereits ins Alter ging», in der Führung des Hofes abzulösen. Doch Johann macht keine Anstalten dazu. Da ergreift der Vater die Initiative und fragt ihn eines Tages, wie’s denn bei ihm mit dem Heiraten stünde? Der Sohn antwortet: «Vater, heiraten tu i nit, eher geh’ ich zum Militär!» Eine harte Antwort für den Vater. Er nimmt sie aber hin, ohne Groll, denn schließlich kennt er seinen Johann, der «so auf’s Beten eingestellt ist». Und was sie alle schon vermutet haben, ist jetzt klar: Johann will ins Kloster gehen! Der Vater will ihm kein Hindernis in den Weg legen wenn Gott es so bestimmt hat. Er wird sich umschau’n um einen braven Knecht, den er zu den Pferden stellen kann. Rosi na kann ja einmal den Hof übernehmen, und Johann soll seinen Weg gehen können. Das «Klostergehen» ist aber gar nicht so einfach. Johann fragt in Wien drinnen bei den Redemptoristen, Franziskanern und Jesuiten an, doch nirgends wird er aufgenommen Man kann keinen Landwirt beschäftigen, heißt es, und Hand werk hat Johann keines gelernt. Da macht er noch einen Versuch bei den Barmherzigen Brüdern. Aber auch dort wird er abgewiesen, alles erscheint so hoffnungslos. Da kommt eines Tages der alte Franziskanerbruder Didakus zur jährlichen Weinsammlung ins Haus. Johann träg ihm sein Anliegen vor und meint, er würde auch ins Heilige Land zu den Franziskanern gehen, wenn sie ihn nur nähmen Bruder Didakus aber winkt ab: «Das ist nicht dein Weg, Johann. Versuch es noch einmal bei den ehrwürdigen Priestern des Pater Hofbauer in Maria am Gestade. Das ist dein Beruf!»

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Schließlich nimmt sich die Mutter der Sache an. Sie geht zum Ortspfarrer, P. Pius Wagner OSB, und ersucht ihn um eine Empfehlung für Johann. Der Pfarrer kommt ins Haus, um in einem längeren Gespräch, «in einer strengen Prüfung», von Johann zu erfragen, warum er Ordensbruder werden wolle. Dann schreibt er an Pater Passerat, den Nachfolger des heiligen Klemens in Maria am Gestade. Das Ansuchen hat Erfolg. Johann darf kommen. Seine Beweggründe für den Eintritt in den Orden sind einwandfrei und lauter. Am Neujahrstag 1836 gibt es im Hause Stöger eine ergreifende Abschiedsszene. Mutter, Vater und Schwestern, alle weinen sie zusammen, weil Johann sie verläßt. Am nächsten Morgen bringt der Vater seinen Sohn mit dem Wagen nach Wien hinein, ausgestattet mit einer Aussteuer von 5000 Kronen und drei Bündeln, vollgestopft mit Büchern. Es ist wie ein Opfergang. Der Vater bringt das Opfer seines Herzens – seinen Sohn, um ihn dem Herrn zu schenken. Für Johann aber, der im November 25 Jahre alt geworden war, geht der Wunsch seines Lebens in Erfüllung – als er in das Kloster Maria am Gestade eintritt und damit in die Kongregation der Redemptoristen.

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